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Im Wandel der Zeiten
Privilierte Löwen-Apotheke Bad Lausick

    Im Jahre 1725 bekam Herr Apotheker Christian Gottfried Grahl von Friedrich August II., König von Polen seit 1697 und Curfürst von Sachsen, das Privileg zugesprochen, im blühenden mitteldeutschen Städtchen Lausigk eine Apotheke zu betreiben. In der Apotheke der damaligen Zeit wurden neben Arzneien, Drogen und Chemikalien auch Gewürze, Kaffee, Lebensmittel, Papier, Tabak, Spielkarten, Obst und Sämereien, ja sogar Hauben, Bänder, Schnüre und Garn gehandelt. 1766 übergab er die Apotheke für 1000 meißnische Gulden seinem Sohn gleichen Namens, der sie bis 1783 weiterführte.

Im Jahr 1783 übernahm Johann Gottfried Knabe die Löwen-Apotheke. Er erlebte den Einzug Napoleons in Lausigk und die Gründung des Königreiches Sachsen 1815. Er wurde später zum Bürgermeister ernannt und verstarb hier 1833. Ein für die Stadt wichtiges Ereignis im Jahre 1821 ging auch an der Löwen-Apotheke nicht spurlos vorüber. Am Nordhang des Badeberges stieß man im Sommer 1820 auf eine starke Quelle. Nach günstiger Analyse und dem Bau zweier Brunnenhäuschen begann am 3.6.1821 der Badebetrieb unter dem Namen Hermannsbad. Das heutige Apothekenhaus wurde 1891 an gleicher Stelle errichtet. Das eingeschossige Haus mußte weichen und einem größeren Platz machen. Durch den Umbau ging der ebenerdige Eingang verloren, dafür erhielt die neue Apotheke einen großzügigen Keller. Der Neubau fand unter dem Herrn Apotheker Felix Müller statt. Dieser hatte das Apotheken-Privileg 1887 von seinem Vater übernommen.

1886 erlebte Müller die Einweihung der Eisenbahnlinie Leipzig-Chemnitz. Seit 1910 führte Herr Apotheker Flach die Geschicke der Löwen Apotheke. Während seiner Zeit kam es am 24. Juni 1913 zur Umbenennung des Ortes Lausigk mit Herrmannsbad zu Bad Lausick. Als nach 4 Jahren der 1. Weltkrieg begann, gestaltete sich der Betrieb der Apotheke als äußerst schwierig, was ihn dazu veranlaßte, die Löwen-Apotheke am 1. Oktober 1917 an den Herrn Apotheker Erich Hultsch zu verkaufen. Rückläufige Umsätze und ein nicht abzusehendes Kriegsende lassen diesen Schritt aus heutiger Sicht sehr mutig erscheinen. Nach Kriegsende wurde die Apotheke umgebaut, die Offizin erweitert. Die folgenden Jahre waren vom Abbruch, den goldenen Zwanzigern, der Weltwirtschaftskrise und von der Machtergreifung Hitlers und anschließendem Krieg geprägt.

Im Jahre 1946 übernahm sein Sohn, Joachim Hultsch, die Apotheke. Er hatte in Prag Medizin und Pharmazie studiert. Apotheker Hultsch wurde Leiter der Apotheke zu einer Zeit, in der sich zumindest in diesem Teil Deutschlands wieder einmal alles grundlegend änderte. Die Aufbaujahre waren sehr schwer, es fehlte an allem. Auch gestaltete es sich für Herrn Hultsch sehr schwierig, an Arzneimittel zu gelangen. Diese mussten viele Jahre lang selbst aus Leipzig geholt werden, und das mit Autos, die mehr standen als das sie fuhren. Trotz Mauerbau und nachfolgenden Enteignungen kleiner und mittelständischer Betriebe, gelang es ihm - mittlerweile zum Pharmazierat ernannt - den Betrieb bis zur Wende 1989 und anschließenden Wiedervereinigung in Privatbesitz zu behalten. Sein überraschender Tod im Jahre 1992 stellte das Apothekenteam und die Angehörigen vor die Problematik der Geschaftsführung. Doch schon 14 Tage später war klar, die Familientradition fortleben zu lassen.

Schließlich war der Name Hultsch schon ein dreiviertel Jahrhundert mit der Apotheke in Bad Lausick verbunden.

Im Februar 1992 übernahm seine Tochter, Frau Apothekerin Monika Wendrich, die Geschicke der Löwen-Apotheke, die sie bis heute mit viel Einsatz führt. Wieder erfolgte ein Umbau der Apothekenräume, hatte es doch nun mit der bundesdeutschen Gesetzgebung viele Veränderungen gegeben. Im Juni 2000 trat ihr Neffe, Apotheker Michael Hultsch, in die Löwen-Apotheke ein und wir sind sicher, dass wir die Familientradition, die sich mit diesem Haus verbindet, noch viele Jahre fortsetzen werden.

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